Energetisch sanieren – Schritt für Schritt zu mehr Wohnkomfort

Keine Frage: Eine Altbausanierung lohnt sich immer dann, wenn bestimme Arbeitsschritte bei der Instandhaltung des Gebäudes ohnehin durchgeführt werden, wie z. B. die Erneuerung der Dachdeckung oder das Ausbessern der Fassade. Ein wirksamer Wärmeschutz der Gebäudehülle führt zu einem geringeren Heizenergieverbrauch und zu einer höheren Wohnbehaglichkeit.

Langfristig wird der Wert des Gebäudes erhalten. Wer sein Haus auch als „Altersvorsorge“ sieht, investiert hier sogar nachhaltig. Die häufigsten Fragen bei der Sanierungsplanung sind: wer kann beraten, welche Maßnahmen sind wichtig und wo finde ich nützliche Informationen?

Schritt 1: Planung und Förderung

EnEV – Energieeinsparverordnung

Die EnEV ist Teil des deutschen Baurechts. Sie legt fest, wie ein Gebäude energieeffizient geplant, gebaut oder modernisiert wird. Die EnEV bewertet das Gebäude als ganzheitliches System. Das bedeutet, dass neben dem baulichen Wärmeschutz der Gebäudehülle auch die Anlagentechnik (Heizung) und die Warmwasserbereitung in die Bilanzierung der Energiegewinne und -verluste einbezogen werden. Die EnEV stellt in Anlage 3, Tabelle 1 Anforderungen für die Sanierung, wenn die Gebäudehülle geändert oder das Gebäude erweitert bzw. ausgebaut wird (Bauteilnachweis).

Individueller Sanierungsfahrplan

Der individuelle Sanierungsfahrplan zeigt, wie die Energieeffizienz eines Gebäudes verbessert werden kann. Die Energieberatung kann für eine Schritt-für-Schritt Sanierung, aber auch für die komplette Gesamtsanierung von Ein- und Zweifamilienhäusern sowie Mehrfamilienhäusern in Anspruch genommen werden. Der individuelle Sanierungsfahrplan wurde von der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Institut für Energie und Umweltforschung (IFEU) und dem Passivhaus Institut erarbeitet. Er wird im Rahmen der „Energieberatung für Wohngebäude - Vor-Ort-Beratung“ vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) anerkannt und gefördert.

Energieberatung

Das Ziel jeder unabhängigen Energieberatung ist, ein optimales Energiekonzept für das Gebäude zu entwickeln. Qualifizierte Energieberater für Gebäude sind z. B. Bauingenieure, Fachhandwerker oder Architekten. Sie beraten, wie der Energiebedarf im Gebäude – z. B. für Heizung, Warmwasser, Lüftung, Kühlung oder Beleuchtung – durch geeignete Maßnahmen effizient reduziert werden kann. Zu einer Energieberatung im Vorfeld einer Sanierung gehört das Vorgespräch, die Analyse des Gebäudes vor Ort, der Bericht mit Informationen über den energetischen Gebäudezustand und Vorschlägen für die Sanierung sowie individuelle Energiesparmaßnahmen. Den Abschluss bildet ein persönliches Gespräch, in dem der Energieberater seine Vorschläge erläutert und den Hausbesitzer bei der Umsetzung der vorgeschlagenen Sanierungsschritte berät. Zahlreiche Förderprogramme vom Bund und den Ländern - beispielsweise die des BAFA (Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) oder der KfW Bankengruppe - machen zur Bedingung, dass der Energieberater in der Energieeffizienz-Experten Liste eingetragen ist. Die Energieeffizienz-Experten-Liste wird von der dena (Deutschen Energie-Agentur) betreut.

Energieausweis

Den Energieausweis brauchen alle Eigentümer, die ihr Haus oder ihre Wohnung verkaufen oder vermieten wollen. Es gibt zwei Arten des Energieausweises: den Verbrauchs- und den Bedarfsausweis. Spätestens bei der Hausbesichtigung muss der Ausweis vorliegen oder deutlich sichtbar ausgehängt sein. Der Ausweis informiert über die benötigte Energie in einem Gebäude für Heizung und Warmwasser. Für den Energieausweis gibt es keine direkte staatliche Förderung. Der Ausweis ist in der Regel 10 Jahre gültig. Nach einer Sanierung kann der Bedarfsausweis aktualisiert werden, um den verbesserten Energiestandard des Gebäudes zu dokumentieren. Ein Verbrauchsausweis darf hingegen erst drei Heizperioden nach den Modernisierungsmaßnahmen erneuert werden.

Passende Förderung

Wer sich für eine energetische Gebäudesanierung entscheidet, kann vom Staat gefördert werden. Einen guten Überblick bietet z. B. das Portal energiefoerderung.info vom BINE Informationsdienst in Zusammenarbeit mit der dena Deutsche Energie-Agentur: www.energiefoerderung.info. Auch die Energieberatung selbst kann mit staatlicher Förderung finanziert werden - z. B. über Zuschüsse für die Vor-Ort-Beratung oder für eine Baubegleitung. Will der Hausbesitzer Fördergelder beantragen, sind jedoch bestimmte Qualifikationen des Energieberaters erforderlich.

Schritt 2: Wichtige Begriffe zum Wärmeschutz der Gebäudehülle

Bauphysik

Um eine energieeffiziente Sanierung des Gebäudes besser verstehen zu können, müssen bauphysikalische Prozesse wie der Austausch von Wärme, Feuchtigkeit und Luft in Bauteilen, und entsprechende Schutzmaßnahmen genauer betrachtet werden. Höhere Ansprüche an den Wohnkomfort und geringerer Energieverbrauch für das Heizen und die Warmwasserbereitung sorgen dafür, dass Energieeffizienz und Wärmeschutz immer wichtiger werden.

Transmissionswärmeverluste

Im Winter haben die Innenräume eines Gebäudes eine höhere Temperatur als die Außenluft oder das Erdreich. Wärme wird durch die Gebäudehülle von innen nach außen geleitet, sozusagen transmittiert. Die Wärme, die durch die Gebäudehülle abgeleitet wird, bezeichnet man als Transmissionswärmeverlust.

Wärmeleitfähigkeit

Für die Wärmeleitfähigkeit gilt grundsätzlich: Je geringer die Wärmeleitfähigkeit eines Baustoffes, umso besser ist seine Dämmwirkung. Der Lambda-Wert (λ-Wert) hat die Maßeinheit W/(m·K) und definiert den Wärmestrom, der bei einem Temperaturunterschied von einem Grad Kelvin (1 K) stündlich durch ein 1 Meter dickes Bauteil übertragen wird. Für den Wärmeschutznachweis entsprechend EnEV darf nur der Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit verwendet werden. Der Bemessungswert enthält bereits einen Sicherheitszuschlag, der mit Hilfe der Norm DIN 4108-4 berechnet wird.

U-Wert

Je kleiner der U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient), desto geringer ist der Wärmeabfluss durch ein Bauteil. U-Werte für bestehende Gebäude werden in der Energieeinsparverordnung (EnEV), Anlage 3 aufgeführt. Tabelle 1 zeigt die Anforderungen an den maximalen U-Wert beim erstmaligen Einbau, Ersatz und der Erneuerung von Bauteilen.

Wärmebrücken

Wärmebrücken sind örtlich begrenzte Schwachstellen einer Baukonstruktion, durch die mehr Wärme abfließen kann als durch andere, gut gedämmte Flächen. Wärmebrücken bewirken Wärmeverluste, niedrigere Oberflächentemperaturen und verursachen letztendlich einen erhöhten Heizwärmebedarf. Sie können unter Umständen auch zu Bauschäden führen.

Luft- und Winddichtheit

Die Luft- und Winddichtheit der Gebäudehülle vermindert Transmissionswärmeverluste, also den Verlust an Wärmeenergie, die von beheizten Räumen durch Fugen oder undichte Anschlüsse in der Gebäudehülle nach außen geleitet wird. Außerdem verhindert eine luftdichte Ausführung, dass Feuchtigkeit über Fugen und Lücken in Bauteile diffundiert. Hierzu muss man wissen, dass warme Luft deutlich mehr Wasser aufnehmen kann als kältere Luft. Wenn warme, feuchte Raumluft in kalte Außenbauteile gelangt, kühlt sie ab. Dabei kondensiert ein Teil der in der Luft enthaltenen Feuchtigkeit. Es bildet sich Tauwasser, das in vielen Fällen nicht mehr austrocknen kann. Das Bauteil wird feucht und es entstehen Bauschäden. Übrigens, Wärmedämm-Maßnahmen stellen nicht automatisch die Luftdichtheit einer Gebäudehülle her. Deshalb ist der Ausdruck „Abdichtung durch Wärmedämmung“ technisch gesehen falsch. Und wer jetzt an „atmende“ Häuser denkt, ist auf dem Holzweg. Notwenige Frischluft wird immer über eine Fensterlüftung oder eine Lüftungsanlage, evtl. mit Wärmerückgewinnung, zugeführt.

Schritt 3: Verhalten nach der Sanierung

Rebound-Effekt

Beim Rebound-Effekt geht es eigentlich um eine Verhaltensanpassung. Beispiel: Moderne Heizungen verbrauchen heute weniger Energie als noch vor zwanzig Jahren. Tendenziell wird moderne Energietechnik durch bessere Effizienz günstiger und sparsamer. Es zeigt sich jedoch, dass man mehr von dieser Technologie konsumiert und z. B. die Heiztemperatur erhöht, weil es auf ein sparsames Verhalten nun nicht mehr so ankommt. Diese „Verhaltensanpassung“ kann dazu führen, dass das Energieeinsparpotenzial von Effizienzsteigerungen im Gebäude nur teilweise verwirklicht wird. Einen Ausweg bietet die Energieberatung vor der Sanierung. Der Energieberater thematisiert das Wohnverhalten nach einer energetischen Sanierung und gibt Hinweise zum richtigen Heizen und Lüften.

Lüften

Wohnen ist heute komfortabel und angenehm. Wir profitieren von zentralen Heizanlagen, dichten und isolierverglasten Fenstern und einer gedämmten Gebäudehülle. Vielen fehlt allerdings ein Verständnis dafür, wie eine Baukonstruktion auf Heiz- und Lüftungsvorgänge reagiert. Ob z. B. Feuchtigkeit kondensiert oder nicht, hängt von der Oberflächentemperatur der Wandinnenseite ab. Herrscht zwischen Innen und Außen ein großer Temperaturunterschied, wie es im Winter oft der Fall ist, kühlt sich die warme, feuchte Raumluft in der Nähe der Wand ab. Die relative Luftfeuchte steigt an. Die überschüssige Feuchtigkeit schlägt sich als Kondensat auf der Wandoberfläche nieder. Eine relative Luftfeuchte von 80 % im Bereich der Bauteiloberflächen reicht aus, dass sich Schimmelpilze bilden können.

Das Lüftungsverhalten muss deshalb der Jahreszeit entsprechend angepasst werden. Im Winter ist die Außenluft kalt und in der Regel trocken und somit ideal für einen Sauerstoffaustausch und das Abführen trockener Heizungsluft. Allerdings sollte nur kurzzeitig gelüftet werden, damit sich aufgeheizte Räume nicht auskühlen. Im Sommer kann man für gründlichen Luftaustausch ohne weiteres auch länger lüften – die Luft sollte jedoch außen trockener sein als innen, und das ist in der Regel nur in frühen Morgenstunden der Fall.

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