Veranstaltungen

Der IVPU ist sowohl bundesweit als auch regional auf Veranstaltungen aktiv. Dazu gehören Diskussionsrunden, Workshops, und Webinare mit Kooperationspartnern. Im Fokus der Veranstaltungen stehen Themen wie Klimaschutz, Nachhaltigkeit und bautechnische Lösungen für mehr Energieeffizienz in der Gebäudehülle.

Podiumsdiskussion mit Landtagsabgeordneten von Baden-Württemberg 03.07.2019 | Landtag von Baden-Württemberg, Stuttgart

„Ein ganz simples Prinzip im Bereich der Ressourceneffizienz ist das Sparen von Energie. Ein guter Wärmeschutz und eine wirksame Dämmung bedeutet Energie zu sparen.“

Paul Nemeth, MdL

Fehlt dem Erneuerbare-Wärme-Gesetz die Effizienz?

Baden-Württemberg war mit dem Erneuerbare-Wärme-Gesetz - EWärmeG - bundesweiter Vorreiter für den Einsatz erneuerbarer Energien in Gebäuden. Die Evaluierung des EWärmeG im Jahr 2018 hat gezeigt, dass das Gesetz zu einem zusätzlichen Ausbau erneuerbarer Energien führt, mehr Energieberatung bringt und die Gebäudesanierung stärkt. Neben Lob äußern die Gutachter auch Kritik. Die Einspar- und Ausbauwirkung des EWärmeG seien noch nicht ausreichend, um von einer „zielkompatiblen Landes-Wärmewende“ zu sprechen. Der Evaluationsbericht kommt zum Schluss, dass der Auslösetatbestand Kesseltausch vielfach zu „kurzfristigen Entscheidungsnotwendigkeiten und damit suboptimalen Erfüllungsoptionen“ führt.

Es diskutieren:
Sandra Boser MdL, stellv. Fraktionsvorsitzende der Grünen Landtagsfraktion | Grüne
Paul Nemeth MdL, umweltpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion | CDU
Daniel Born MdL, wohnungspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion | SPD
Gabriele Reich-Gutjahr MdL, wohnungs- und umweltpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion | FDP / DVP

Moderation: Tobias Schellenberger, Geschäftsführer IVPU

Der Schlüssel zum Klimaschutz: die energieeffiziente Gebäudehülle

Rund 35 Prozent der gesamten Endenergie wird in Gebäuden, und davon wiederum etwa 80 % für Heizung und Warmwasser verbraucht. Bis zum Jahr 2050 will die Bundesregierung einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand realisieren. Die Klimaschutzziele im Gebäudesektor sind nur dann zu erreichen, wenn deutlich mehr Bestandsbauten umfassen saniert werden. Kleinere Verschärfungen für Neubauten reichen bei weitem nicht. Die Sanierungsbranche braucht dringend die Einführung zukunftsfähiger gesetzlicher Energiestandards sowie eine Vereinfachung bei der energetischen Bilanzierung von Gebäuden. Bei der anstehenden Novelle des EWärmeG in Baden-Württemberg stellt sich die Frage, wie die energetische Modernisierungsrate erhöht und die Klimaschutzziele schneller erreicht werden können.

Unsere Fragen an die Abgeordneten:

  • Welche Bedeutung messen Sie der energetischen Gebäudesanierung für den Klimaschutz bei?
  • Welche Maßnahmen halten Sie zur Förderung der energetischen Gebäudesanierung für wichtig?
  • Wie stehen Sie dazu, der Energieeffizienz, die bisher nur als „Ersatzmaßnahme“ im EWärmeG enthalten ist, einen größeren Stellenwert einzuräumen?

Anhörung im Landtag von Baden-Württemberg, Juli 2019:

Die Evaluierung des EWärmeG im Jahr 2018 hat gezeigt, dass das Gesetz in Baden-Württemberg zu einem zusätzlichen Ausbau erneuerbarer Energien führt, mehr Energieberatung bringt und die Gebäudesanierung stärkt. Allerdings reicht eine Landesregelung wie das EWärmeG allein nicht aus, um die angestrebten Klimaschutzziele zu erreichen. 

In der Diskussion:

Der Evaluationsbericht zum EWärmeG kommt auch zum Schluss, dass der Auslösetatbestand Kesseltausch vielfach zu „kurzfristigen Entscheidungsnotwendigkeiten und damit suboptimalen Erfüllungsoptionen“ führt. 

Podiumsdiskussion mit den Abgeordneten des Landtags von Baden-Württemberg:

Wir möchten wissen, wie die energetische Modernisierungsrate erhöht und die Klimaschutzziele schneller erreicht werden können. 

Paul Nemeth, MdL, CDU:

Wir sprechen über ein Thema, das die ganze Nation beschäftigt. Wenn wir an den Bestand nicht herankommen, werden wir unsere Ziele im Wärmebereich nie und nimmer erreichen. Wir haben jetzt genug geübt. Jetzt müssen Nägel in die Wände geschlagen werden und das muss schnell passieren. 

Sandra Boser, MdL, Grüne:

Es braucht mehr Effizienz im EWärmeG. Und zwar deshalb, weil das Gesetz in seiner Anwendung und in der Umsetzung der Maßnahmen gut funktioniert. Aber: Wie bekommen wir die Leute dazu, im Bestand zu sanieren, denn da haben wir das größte Potenzial. 

Gabriele Reich-Gutjahr, MdL, FDP/DVP:

Wir sind mittlerweile der Meinung, dass das Gesetz seinen Zweck nicht erfüllt hat. Im Gegenteil, es ist eher kontraproduktiv. Die FDP tritt dafür ein, dass die Gebäudesanierung steuerlich absetzbar wird. Das wäre gut angelegtes Geld. 

Daniel Born, MdL, SPD:

Beim Klimaschutz ist zu liefern. Und es gibt Möglichkeiten, wo wir liefern können. Einen Bereich deckt die Wärmedämmung ab. Außerdem sollten wir uns dafür einsetzen, dass Anreizsysteme geschaffen und diese besser genutzt werden. Die Förderprogramme der KfW reichen bei weitem nicht aus. 

Tobias Schellenberger, Geschäftsführer, IVPU:

Es gibt hier einen großen Konsens, dass etwas getan werden muss, um die energetische Sanierung von Gebäuden voranzubringen. Wir stagnieren seit Jahren bei einer Sanierungsquote von rund 0,9 %. Sie muss mehr als verdoppelt werden, um dazu beizutragen, dass die CO2-Emissionen im Gebäudebereich sinken. 

Pia Grund-Ludwig, Redakteurin, EnBauSa:

Setzen Sie sich auch dafür ein, dass das EWärmeG in anderen Bundesländern eingeführt wird? 

Paul Nehmet, MdL, CDU:

Das EWärmeG stand schon in verschiedenen Koalitionsverträgen, z. B. in NRW oder im Saarland. Es ist aber nie umgesetzt worden. Das „E“ steht eigentlich für Effizienz. Wir in Baden-Württemberg wollen ein „Effizienz-Wärme-Gesetz“, das im Gebäudebestand greift und etwas bringt. 

Andreas Linzmeier, Vorstandsvorsitzender IVPU, Linzmeier Bauelemente GmbH:

Die Steigerung der Sanierungsquote muss mit weiteren Maßnahmen flankiert werden. Doch wer setzt die Sanierungen um? Wir brauchen Arbeitskräfte und Ressourcen. Gibt es dazu Ideen? 

Sandra Boser, MdL, Grüne

Das Thema betrifft nicht nur den Sanierungsbereich, sondern den Wohnungsbau insgesamt. Die Frage ist: Welche Maßnahmen können im Bausektor greifen? Wir diskutieren natürlich Aspekte wie Lehrstellenbesetzung und Fachkräfteförderung, können in einigen Bereichen jedoch derzeit nicht das umsetzen, was wir gerne möchten. 

Michael Kleiner, Ministerialdirektor im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, Baden-Württemberg:

In Baden-Württemberg müssten etwa 65.000 Wohnungen gebaut werden. Wir sind derzeit etwa bei der Hälfte. Ausreichenden und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen ist ein Anliegen der „Wohnraumallianz“, bei der alle Akteure des Wohnungsmarktes an einem Tisch sitzen. Diese Allianz hat sich hier inzwischen zu einer Art Kraftzentrum in der Wohnungsbaupolitik entwickelt. 

Ulrich Müller, Minister a. D.:

Im baden-württembergischen EWärmeG muss die Effizienz von der Ausnahme zur Regel werden. Wärmedämmung ist keine Ersatzmaßnahme, sondern die Grundvoraussetzung für energieeffiziente Gebäude. 

Führung durch den Landtag von Baden-Württemberg:

1961 wurde das Haus des Landtags eingeweiht. Von 2013 bis 2016 wurde das Gebäude generalsaniert. Die Umbauarbeiten betrafen sowohl technische als auch energetische Maßnahmen sowie eine Dachöffnung, um den Plenarsaal mit Tageslicht zu versorgen. Während das Innere des Hauses auf den technisch neuesten Stand gebracht wurde, blieb die Außenfassade nahezu unverändert. Die Energieeinsparung bei Wärme und Strom liegt bei 1.600 Megawattstunden pro Jahr. Kostenseitig können jährlich bis zu 150.000 Euro eingespart werden. Die CO2-Einsparung summiert sich auf bis zu 150 Tonnen pro Jahr. 

Anhörung im Landtag von Baden-Württemberg, Juli 2019:
In der Diskussion:
Podiumsdiskussion mit den Abgeordneten des Landtags von Baden-Württemberg:
Paul Nemeth, MdL, CDU:
Sandra Boser, MdL, Grüne:
Gabriele Reich-Gutjahr, MdL, FDP/DVP:
Daniel Born, MdL, SPD:
Tobias Schellenberger, Geschäftsführer, IVPU:
Pia Grund-Ludwig, Redakteurin, EnBauSa:
Paul Nehmet, MdL, CDU:
Andreas Linzmeier, Vorstandsvorsitzender IVPU, Linzmeier Bauelemente GmbH:
Sandra Boser, MdL, Grüne
Michael Kleiner, Ministerialdirektor im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, Baden-Württemberg:
Ulrich Müller, Minister a. D.:
Führung durch den Landtag von Baden-Württemberg: